Nasenbluten Behandlung erste Hilfe

Was soll man tun bei Nasenbluten…

Was tun, wenn die Nase blutet?

Nasenbluten, medizinisch Epistaxis,  kennt einjeder, es kommt in jeder Altersklasse vor und tritt immer dann auf, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Es kann auftreten, wenn die Nasenschleimhaut sehr trocken ist oder verletzt wird. Dadurch platzen kleinste Blutgefäße in der Nase und es blutet. Meist handelt es sich um venöse Sickerblutungen aus dem Gefäßgeflecht im vorderen Bereich der Nase (Locus Kiesselbachii), die zwar nervig sind, aber im selteneren Fall wirklich bedrohlich sind. Dagegen führt arterielles Nasenbluten zu heftigem Blutverlust  – diese Blutungen hören meistens nicht von alleine auf.

Ursachen von Nasenbluten

Die häufigste Ursache von Nasenbluten sind zu trockene Nasenschleimhäute während der Heizperiode. Lokale Ursachen können ebenfalls ursächlich sein oder die durch trockene Umgebungsluft bedingte Trockenheit noch verstärken, wie zum Beispiel eine Nasenscheidewandverbiegung, ein Loch in der Nasenscheidewand oder chronische Entzündungen der Nase und der Nasennebenhöhlen.

Daneben gibt es weitere spezifische Ursachen: z. B. ein Zustand nach Verletzung (auch Popeln!), eine allergische Rhinitis (z.B. Hausstaubmilbenallergie oder Schimmelpilzallergie), seltener Tumore der inneren Nase.  Darüber hinaus kommt Nasenbluten häufig bei inneren Erkrankungen vor. Dazu gehört der Bluthochdruck (Hypertonie; tritt oft zusammen mit Kopfschmerzen auf), Gerinnungsstörungen aufgrund von Virusinfekten, Leukämie oder Leberfunktionsstörungen), aber auch Autoimmunerkrankungen wie der M. Schönlein-Henoch. Auch die Einnahme von Gerinnungshemmern (Aspirin, Marcumar, Clopidogrel) und Psychopharmaka (Citalopram) kann zu häufigerem Nasenbluten führen.

Kinder neigen naturgemäß zu Nasenbluten: während Wachstumsschüben sind die Schleimhäute empfindlicher, Kinder popeln gerne in der Nase, und eine trockene Nase kommt oft bei kindlichen Polypen, sogenannten Adenoiden vor. Nasenbluten ist bei Kindern daher meist harmlos. Ist das Nasenbluten jedoch auch mit anderen Sekreten vermischt, sollte ein Nasenfremdkörper ausgeschlossen werden.

Während der Schwangerschaft ist Nasenbluten ebenfalls häufiger. Die Schleimhäute sind besser durchblutet und es kommt durch die hormonellen Umstellungen oft zu einer Anschwellung der Nasenschleimhäute (Rhinits gravidarum) mit eingeschränkter Nasenatmung, was eine Epistaxis fördert.

Was kann ich selbst tun, wenn es wieder blutet?

Aufgrund der Tatsache, dass die meisten Blutungen im Bereich des Locus Kiesselbachii im vorderen Bereich entstehen, hilft es am Besten, beide Nasenflügel im Bereich des unteren, weichen Teils zusammenzudrücken. Die Die Nasenflügel sollten mindestens 4 Minuten so zusammengedrückt werden. Dies entspricht der Zeit, die es braucht, bis die Blutplättchen aneinander kleben bleiben (primäre Phase der Blutgerinnung, primäre Hämostase). Je länger die Nasenflügel jedoch zusammengedrückt werden, desto wahrscheinlicher wird die Blutung gestillt, da dann die sekundäre Hämostase zu einem dauerhaften Verschluss der Blutungsquelle durch Bildung eines Fasernetzes und damit Thrombus führen kann. Diese zweite Phase der Blutgerinnung dauert 6-10 Minuten, weshalb ein Zusammendrücken von 10 min am erfolgsversprechendsten anzusehen ist.

Während des Zusammendrückens solle der Kopf leicht nach vorne geneigt werden um einen Blutfluss in die hintere Nase und damit den Nasenrachen zu verhindern. Wird nämlich Blut in größerer Menge verschluckt, kann Übelkeit oder sogar Erbrechen resultieren. Sollte das Vorkommen, nicht darüber erschrecken, dass das Erbrochene schwarz aussieht – durch Magensäure zersetztes Blut erscheint pechschwarz. Läuft trotzdem Blut in den Hals, so sollte es ausgespuckt werden.

Kühlen im Nacken wird meistens empfohlen, oft hilft diese Methode aber nur bedingt. Gute Erfahrungen habe ich dagegen mit Eiswürfellutschen gemacht.

Blutdruckpatienten sollten den Blutdruck durch Partner oder Familienangehörigen messen lassen. Denn Nasenbluten kann erstes Anzeichen einer Blutdruckkrise sein. Bei erhöhten Werten kontaktieren Sie bitte daher Ihren Hausarzt.

Was sollte man nicht tun?

Aufgrund der genannten Ausführungen sollte man sich nicht hinlegen (Blut läuft nach hinten), sich nicht in die Wärme begeben und auch nicht das Blut einfach aus der Nase ins Waschbecken bei laufendem Wasserhahn tropfen lassen. Der Blutverlust sieht dann meist sehr viel bedrohlicher aus, als er ist und in dieser Richtung empfindliche Patienten sind beim Anblick des Blutes bereits ohnmächtig geworden. Daher ersparen Sie sich diesen Anblick, denn Nasenflügelkomprimieren hilft ohnehin besser.

Außerdem sollte man die Nase nicht mit Zellstoff oder Ähnlichem ausstopfen. Die Blutung hört zwar scheinbar schneller auf, wird die selbstgemachte Tamponade jedoch wieder entfernt geht das Nasenbluten meist von vorne los, da die Blutungsquelle wieder aufreißt. Auch aus diesem Grund ist das Zusammendrücken der Nasenflügel die Erstmaßnahme der Wahl.

Wann sollte ich zum Arzt?

Lässt Nasenbluten nach spätestens 20 Minuten bei Erwachsenen bzw. 10 Minuten bei Kindern nicht nach, sollten Sie einen HNO-Arzt aufsuchen. Zu den üblichen Praxisöffnungszeiten werden Sie in jeder HNO-Praxis als Notfall angenommen. Sollte kein niedergelassener HNO-Arzt geöffnet haben empfiehlt sich die zeitnahe Vorstellung in der Notaufnahme einer Klinik mit HNO-Abteilung (in Nürnberg ist dies die Rettungsstelle des Nordklinikums; >> Adressen und Telefonnummern im HNO Notfall).

Aber auch wenn das Nasenbluten wieder von alleine aufgehört hat ist eine Abklärung bei einem HNO-Arzt sinnvoll, insbesondere, wenn es sich um eine heftige Blutung gehandelt hat oder es immer wieder zu Nasenbluten (mehr als 3x in der Woche) kommt. Auch Patienten, die Blutgerinnungshemmer einnehmen sollten bei Auftreten von Nasenbluten einen Arzt konsultieren, denn Nasenbluten kann auf eine Überdosierung gerinnungshemmender Medikamente hinweisen.

Was macht der HNO-Arzt bei Nasenbluten?

Blutet es akut ist das primäre Ziel das sofortige Stillen der Blutung. Da es wie erwähnt meist im vorderen Bereich blutet ist die Blutungsquelle für den HNO-Arzt meist gut sichtbar und einer Behandlung zugänglich. Meist kann die Blutungsquelle mit Ätzmitteln (Silbernitrat) oder durch Radiofrequenzstrom, also thermisch, verödet werden. Da Kinder bei der Behandlung oft nicht stillhalten wollen wird die Verödung bei Kindern meist mit Medikamenten durchgeführt.

Starke Blutungen, die sich nicht durch Veröden stillen lassen oder aus der hinteren Nase, also tief aus dem Innern der Nase kommen, müssen gelegentlich mit Tamponaden versorgt werden. Während man früher lange, salbengetränkte Gazestreifentamponaden hierzu benutzte, verwendet man heute meist konfektionierte Schaumstofftamponaden, die mit einem Fingerling umhüllt sind. Das erleichtert zum Einen das Einführen, zum anderen wird das Entfernen als nur wenig unangenehm empfunden. Ein weiterer Vorteil dieser Fingerlingstamponaden ist es, dass die Blutungsquelle nicht wieder aufreissen kann, wie es bei den Streifentamponaden oft der Fall war. Da starke Blutungen auch oft mit einem erhöhten Blutdruck (Hypertonus, hypertensive Krise) einhergehen, hilft es oft nur den Blutdruck zu senken, so dass auf die Einlage solcher Tamponaden verzichtet werden kann.

Bei wiederkehrendem Nasenbluten muss darüber hinaus nach einer Ursache gefahndet werden. Hierzu untersucht der HNO-Arzt die innere Nase endoskopisch auf Unregelmäßigkeiten (z.B. ein Loch in der Nasenscheidewand), Entzündungen und Engstellen, die zu einer Austrocknung der Nasenschleimhäute führen können. Bei entsprechender Vorgeschichte wird eine Gerinnungsdiagnostik durchgeführt.

Wie läuft das Veröden bei Nasenbluten ab?

In der Regel wird die mutmaßliche Blutungsquelle erst einmal betäubt: hierzu bringt der HNO-Arzt ein Oberflächenbetäubungsmittel und ein gefäßzusammenziehendes Medikament auf etwas Watte auf und legt es in den vorderen inneren Bereich der Nase, wo es ca. 10 Minuten einwirkt. Nach der Entnahme wird entweder chemisch oder mit Radiofrequenzstrom verödet.

Bei der chemischen Verschweißung kommt es durch die oberflächliche Anwendung Ätzmitteln (Silbernitrat) zu einer Narbenbildung. Dabei bringt der HNO-Arzt das Medikament mit einem kleinen Watteträger, ähnlich einem Wattestäbchen gezielt auf die Blutungsquelle auf. Diese Behandlung muss aufgrund der Oberflächlichkeit meist mehrfach angewandt werden, bietet sich aber aufgrund der Schmerzlosigkeit insbesondere bei Kindern an.

Bei der Gefäßverschweißung mit Radiofrequenzstrom kommt es zu einer thermischen Zerstörung des Gewebes im Bereich der Blutungsquelle. Auch hier resultiert eine Narbenbildung. Hierzu behandelt der HNO-Arzt mit einer Bipolarpinzette, zwischen deren Spitzen unbedenklicher Hochfrequenzstrom fließt, die Blutungsquelle. Da die thermische Gefäßverschweißung auch tiefere Schichten erreicht, genügt meist eine einzige gezielte Behandlung um das Nasenbluten abzustellen.

In beiden Fällen wird danach eine pflegende Salbe aufgetragen. Schneuzen sollte einige Tage vermieden werden, da der definitive Gefäßverschluss durch die Vernarbung einige Tage in Anspruch nimmt und ein vorzeitiges Abfallen der entstehenden Kruste zum Wiederauftreten der Blutung führen kann.

Wie kann ich Nasenbluten vorbeugen?

Das Hauptproblem sind meist zu trockene Schleimhäute. Die Befeuchtung derselben ist daher die beste Behandlung, die unproblematisch zu Hause durchgeführt werden kann. Ideal ist das tägliche Spülen der inneren Nase mit Sole. Im Artikel Nasendusche habe ich ausführlich beschrieben, wie man sie durchführt. Des weiteren helfen pflegende  Nasensalben mit dem Wirkstoff Dexpanthenol; diese sind recht dünnflüssig und verteilen sich somit fein auf den Schleimhäuten. Kurzfristig kann auch etwas Olivenöl zur Befeuchtung helfen.