Schwindel und Gleichgewichtsstörungen

Ungerichteter Schwindel, Schwankschwindel, Liftschwindel, Drehschwindel, Benommenheit oder eine Gangunsicherheit zu haben ist sehr unangenehm und kann sehr beängstigend sein. Störungen des Gleichgewichtssinnes können sehr plötzlich auftreten, heftige Symptome hervorrufen und oft mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Chronischer Schwindel äußert sich oft als Unsicherheitsgefühl beim Gehen, Schwankschwindel oder Bewegungsschwindel. Der Leidensdruck ist bei allen Formen meist sehr hoch, gerade ältere Patienten ängstigt eine erhöhte Sturzgefahr, so dass sie sich oft aus dem Leben zurückziehen. Eine umfassende Diagnostik eines Schwindels ist daher sinnvoll.

Was ist Schwindel, was sind Gleichgewichtsstörungen? Welche Schwindelursachen gibt es?

Schwindel ist ein medizinisches Chamäleon. Er ist ein Symptom verschiedener Erkrankungen im Bereich des Gleichgewichtssystems, das Zusammenspiel der Gleichgewichtssystemkomponenten ist nicht mehr ausgewogen. Wenn eines der Stellglieder nicht mehr richtig mitarbeitet, also die Stellglieder verschiedene Signale vermelden, entsteht als Ausdruck dieser Disharmonie Schwindel. Ein klassisches Beispiel ist die Seekrankheit: das muskuloskelettale System und die Gleichgewichtsorgane melden: ich stehe auf dem Boot und bewege mich nicht. Die Augen, die den Horizont schwanken sehen, vermelden jedoch etwas anderes: ich bewege mich doch! Die Folge ist Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen.

Die Störung kann also im Bereich des oder der Gleichgewichtsorgane (Gleichgewichtsorgan-Ausfall, Neuronitis vestibularis, Lagerungsschwindel, Morbus Meniere) liegen, im Bereich des Hörgleichgewichtsnerven (Vestibularisschwannom, Mikrovaskuläres Kompressionssynsdrom, s.u.), des Gehirns bzw. der Hirnrinde, aber auch im Bereich von Muskeln, Gelenken und Sehnenspindeln, welche Signale über unsere Lage im Raum geben. Hierzu gehören auch Gleichgewichtsstörungen aufgrund Störungen peripherer Nerven, die bei einem lange vorbestehenden oder schlecht eingestellten Diabetes mellitus durch eine Polyneuropathie verursacht sind.

Auch Erkrankungen im Bereich der Augen und des Sehnerves können Schwindel erzeugen, da das optische System essentiell für die Vermittlung unseres Gleichgewichtsgefühles ist.

Daneben gibt es zahlreiche seltenere Schwindelursachen wie die z.B. das Dehiszenzsyndrom des oberen Bogenganges, die vestibuläre Migräne, der sinugene Schwindel (bei chronischer Nebenhöhlenentzündung;  Gegenstand kontroverser Diskussionen, ob es diese Schwindelform überhaupt gibt),

Wie diagnostiziert man Schwindel?

In unserem Fachgebiet, der HNO, untersuchen wir vornehmlich das Gleichgewichtsorgan und den Hör-Gleichgewichtsnerven. Hierzu gehört als erstes die Untersuchung der Augenbewegungen mit der Frenzelbrille, bei welcher der HNO-Arzt schon oft den ersten Hinweis auf eine Störung im Gleichgewichtsorgan bekommt: z.B. kommt es einem Ausfall des Gleichgewichtsorgans zu schnellen, unwillkührlichen Augenbewegungen (Nystagmen) unter der Brille. Schwindel, Drehschwindel Untersuchung HNO-Arzt mit Frenzelbrille

Aufgrund der Tatsache, dass Störungen im Gleichgewichtsorgan auch oft mit Hörstörungen verbunden sind (wie beim Morbus Meniere) sollte immer auch eine Hörprüfung durchgeführt werden.

Als nächstes schließt sich in der Regel die thermische Reizung an (Videonystagmographie), bei der die Gleichgewichtsorgane seitengetrennt mit warmer und kalter Luft gereizt und hiermit auf ihre Funktion überprüft werden.

Besteht der Verdacht auf Vorliegen eines gutartigen Lagerungsschwindel wird eine Lagerungsprüfung durchgeführt. Hierbei wird der Patient durch den HNO-Arzt in verschiedene Lagen gebracht und wieder mit der Frenzelbrille nach einem Nystagmus gefahndet. Bei Vorhandensein typischer Lagerungsnystagmen ist die Diagnose bestätigt und es kann umgehend mit der Behandlung begonnen werden (s.u.). (Informationen zu den einzelnen diagnostischen Methoden finden Sie unter den entsprechenden Untersuchungen.

In seltenen Fällen kann eine gutartige Geschwulst im Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels (Vestibularisschwannom, Akustikusneurinom) des Hörgleichgewichtsnerven die Ursache der Beschwerden sein. Zum Screening auf diese Erkrankung wird die Hirnstammaudiometrie (BERA) durchgeführt.

Um das Zusammenspiel der verschiedenen Anteile des Gleichgewichtssystems auf Kleinhirn- und Rückenmarksebene zu überprüfen können schließlich noch sog. vestibulo-spinale Untersuchungen (Rhomberg-Versuch, Unterberger-Tretversuch) Hinweise auf die Störung geben.

Die meisten Ursachen eines Schwindels im HNO-Gebiet lassen sich durch die oben genannten Untersuchungen feststellen. Bei Unklarheiten oder Auffälligkeiten in der Hirnstammaudiometrie erfolgt eine Untersuchung des Schädels bzw. Gehirns in der Röhre (Kernspintomographie, MRT).

Schwindel ist meist sehr komplex. Eine HNO-ärztliche Untersuchung sollte immer bei Gleichgewichtsstörungen durchgeführt werden; bei unauffälligem Befund müssen jedoch weitere Untersuchungen beim Neurologen (z.B. bei sog. vestibulärer Migräne), Internisten (Diabetes, Bluthochdruck, Herzrythmusstörungen) oder Orthopäden (z.B. bei HWS-Syndrom, Halswirbelsäulenblockade) veranlasst werden.

Wie behandelt man Schwindel?

So vielfältig die Ursachen eines Schwindels sind, so zahlreich sind die Behandlungsmethoden.

Akute Störungen des Gleichgewichtsorgans werden üblicherweise mit Antivertiginosa (Medikamente gegen Übelkeit) und Kortison in Tablettenform oder als Infusion behandelt. Ein Lagerungsschwindel kann durch bestimmte „Befreiungsmanöver“ (Epley, Semont), die der HNO-Arzt in der Praxis durchführt meist schnell beseitigt werden.

Schwieriger gestaltet sich die Behandlung eines chronischen Schwindels. Hier steht die Beseitigung der Grunderkrankung (z.B. bei Zuckerkrankheit; Migräneprophylaxe) oder Schwindel auslösender Faktoren (Triggerfaktoren). Schwindel kann zum Beispiel durch Stress verursacht werden (enge Verbindung zum autonomen Nervensystem; auch bei somatoformem Schwindel), so dass hierbei Entspannungsmaßnahmen die Therapie der Wahl darstellen. Beim Altersschindel sollte auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen (altersgerechte Wohnumgebung zur Sturzprophylaxe) Wert gelegt werden.

Medikamente sollten nur kurzzeitig zum Einsatz kommen um einer Implementierung des Schwindels („Schwindelgedächtnis“) vorzubeugen. Es sollten ausschließlich Präparate angewendet werden, die nicht sedieren (dämpfen), da solche Medikamente die natürliche Kompensation des Schwindels hemmen können.

Um das Vertrauen in die eigene Haltungs- und Bewegungskontrolle bei chronischem Schwindel langfristig zu stärken muss immer auch ein langfristiges muskuläres und dynamisches Gleichgewichtsstraining veranlasst werden.

Unterstützend können Akupunktur, Homöopathika und Physiotherpie helfen.

Zu allen Aspekten beraten wir Sie in unserer HNO-Praxis in Nürnberg Mögeldorf gerne ausführlich.