Schätzungsweise 18000 Menschen erkranken jedes Jahr an einer Krebs-Erkrankung der Mundhöhle und des Rachens. Männer sind rund 3x häufiger betroffen als Frauen, was das Mundhöhlenkarzinom in dieser Patientengruppe insgesamt zur 5.-häufigsten Krebserkrankung macht.

Wer ist gefährdet?

Am meisten gefährdet sind Menschen mit regelmäßigem Nikotin und Alkoholkonsum. Jedes Laster allein für sich erhöht bereits das Risiko an einem Tumor im HNO Gebiet zu erkranken, beides zusammen potenziert das Risiko hierfür um ein vielfaches (Risikogruppe).

Daneben besteht ein erhöhtes Risiko bei Patienten mit unbehandeltem chronischen Sodbrennen, chronischer Kehlkopfentzündung und der Neigung zu Krebserkrankungen in der Familie.

Jedoch gibt es auch Patienten mit einer Krebserkrankung in Mund oder Rachen, die nie geraucht haben und keinem übermäßigen Alkoholkonsum frönen.  Inszwischen weiß man, dass bestimmte Viren (HPV, humanes Papillomvirus) nicht nur Warzen (Papillome), sondern auch Krebs auslösen können. Dieser Zusammenhang ist schon viele Jahre bei der Entstehung des Gebärmutterhals-Krebs bekannt. Rund ein Drittel der Krebserkrankungen im HNO-Bereich werden durch HP-Viren ausgelöst.

Eine Infektion mit HPV gilt heute als einer der Hauptrisikofaktoren für bestimmte Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich. Wird eine HPV-Infektion im Zusammenhang mit einem Krebsgeschwür im Mund-Rachenbereich nachgewiesen, so findet sich bei mehr als 90 von 100 Patienten der Virustyp HPV-16 (sog. Hochrisiko-HP-Virus).

Die meisten Erwachsenen kommen im Laufe des Lebens mit dem HP-Virus in Kontakt. In der Regel siegt das Immunsystem über die Viren. Selbst die Infektion mit den krebsfördernden Virustypen (HPV-16) verschwindet meist wieder unbemerkt und ohne Behandlung. Bei einigen Menschen hält die Infektion jedoch länger an; bei diesen Menschen kann dann eine Krebsvorstufe oder Krebs entstehen.

Wie äußern sich Symptome einer Krebserkrankung im Mund-Rachenbereich?

Leider treten Symptome dieser Krebsarten erst recht spät auf, wenn der Tumor schon tiefere Gewebeschichten erreicht. Daher werden mehr als die Hälfte dieser Tumore erst in fortgeschrittenen Stadien (T3 und T4) erkannt. Vorstufen bzw. kleine, umschriebene Krebsherde machen selten Symptome und fallen bei der Routineuntersuchung beim Zahnarzt oder Hausarzt meist nicht auf. Aber gerade als Vorstufe oder wenn die Läsionen klein sind lassen sie sich noch gut behandeln.

Insbesondere einer Abklärung würdig sind folgende Beschwerden:

  • rote oder weiße Flecken im Mund
  • derbe Schwellungen am äußeren Hals
  • länger als drei Wochen bestehende Heiserkeit oder Reizhusten
  • Kloßgefühl im Hals
  • Schmerzen beim Sprechen oder Schlucken
  • starker Mundgeruch
  • Blut im Speichel oder beim Abhusten

Wie kann ich vorbeugen?

Regelmäßige Krebsvorsorge beim HNO-Arzt

Menschen mit regelmäßigem Alkohol- und Nikotinkonsum empfehlen wir die endoskopische Untersuchung beim HNO-Arzt einmal im Jahr. Selbstverständlich sollte der Konsum eingestellt bzw. massiv gedrosselt werden. Aber auch, wenn der Konsum von Tabak und Alkohol mehrere Jahre zurück liegt macht eine regelmäßige Untersuchung Sinn, denn betroffene Schleimhaut verändert sich oft erst Jahre später zu einem Geschwür.

Die Untersuchung ist nicht belastend, schmerzfrei und einfach durchzuführen.

Bluttest auf Humanes Papillom-Virus-16

Wenn Sie weder geraucht haben noch übermäßig Alkohol zu sich nehmen, über 40 Jahre alt und besorgt sind, dass Sie an einem Virus-assoziiertem Krebsgeschwür im Mund-Rachenbereich erkrankt sind, bietet sich ein Bluttest zur Erkennung einer HPV-16-Infektion an. Der serologische Nachweis dieser Viren wird in der Leitlinie Mundhöhlenkarzinom bereits seit 2012 als Screening-Maßnahme empfohlen. Die Anwesenheit von Antikörpern gegen HPV16 weist hoch spezifisch auf veränderte Zellen hin und stellt einen fundierten Anlaß dar weitere Untersuchungen vorzunehmen.

Für den Schnelltest genügt nur ein kleiner Tropfen Blut aus der Fingerbeere oder dem Ohrläppchen. Die Testung erfolgt in der Praxis und das Ergebnis kann bereits nach 20 min abgelesen werden.

Bei einem negativem Ergebnis besteht aktuell kein erhöhtes Risiko für ein Karzinom im Mund-Rachenbereich, sofern nicht regelmäßig geraucht und Alkohol getrunken wird. Wichtig ist, dass ein negatives Ergebnis nicht bedeutet, dass man sein Leben lang vor einer Krebserkrankung im KOpf-Hals-Bereich gefeit ist. Bei schlechter Lebensführung (siehe oben) besteht das Risiko hierfür unabhängig von einem Virusnachweis.

Bei einem positiven Nachweis sollte eine intensivierte Tumor-Suche erfolgen um Frühstadien aufzusuchen und frühzeitig behandeln zu können. Sollte sich hierbei kein auffälliger Befund feststellen lassen wird eine Kontrolle durch den HNO-Arzt alle drei Monate empfohlen. Eine Vorstellung beim Frauenarzt/Urologen muss ebenfalls erfolgen um eine Krebserkrankung in diesen Bereichen (insbesondere Genitalbereich) zu erkennen bzw. auszuschließen.

HPV-Impfung

Junge Menschen können sich gegen HPV-16 und 18 impfen lassen. Dies ist allerdings nur sinnvoll BEVOR der Kontakt mit den Viren erfolgt. Das ideale Alter für die Impfung mit den zugelassenen Impfstoffen ist 9 bis 14 Jahre. Die Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkomission) gilt bisher nur für Mädchen, da Gebärmutterhals-Krebs verhindert werden soll, jedoch können auch Jungs gleichen Alters geimpft werden (siehe auch Ausführungen der STIKO hierzu).

Allgemeine Hinweise

Generell gilt sich von schädigenden Einflüssen fern zu halten. Hierbei seien als erstes chronischer Nikotin- und Alkoholkonsum zu nennen. Aber auch unbehandelte chronische Entzündungen (Kehlkopfentzündung, laryngopharyngealer Reflux (LPR)) können zu einer Entartung von  Schleimhaut führen und sollten daher behandelt werden.

Krebs der Mundhöhle

Mundhöhlenkarzinom © Eric Warman/flickr

Gaumenkarzinom

Gaumenkarzinom © MKG Uni-Klinik Düsseldorf