Schimmelpilzallergie

Was sind Schimmelpilze und Schimmelpilzsporen?

Schimmelpilze sind allgemein verbreitete Pilze, die besonders gut bei feuchter Wärme gedeihen. Schimmelpilzsporen sind einzellige Fortpflanzungsformen der Schimmelpilze und sind, wenn sie eingeatmet werden, hauptsächlich für die allergischen Reaktionen verantwortlich.

Allergologische Bedeutung

Inhalierte Schimmelpilzallergene spielen häufig beim Asthma bronchiale und beim allergischen Dauerschnupfen eine Rolle, sie können jedoch auch eine allergische Entzündung der Lungenbläschen auslösen. Meist tritt eine Sensibilisierung gegen Schimmelpilze gemeinsam mit einer Allergie gegen Pollen oder Hausstaubmilben auf. Die Schimmelpilze und deren Stoffwechselprodukte (Enzyme) in Nahrungsmitteln haben vor allem Bedeutung bei den Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, weniger als Auslöser von Atemwegssymptomen.

Wo kommen Schimmelpilze vor?

Im Folgenden werden die Schimmelpilze nach ihrem Auftreten im Freien, im Haus und in Nahrungsmitteln besprochen.

Schimmelpilze im Freien

Die beiden wichtigsten Schimmelpilze, die hauptsächlich im Freien vorkommen, sind Alternaria alternata und Cladosporium herbarum. Sie wachsen auf Blattoberflächen, jeglichem Pflanzenabfall und in der Erde. Hohe Konzentrationen werden auf Gräsern und Getreide erreicht. Die höchste Schimmelpilzsporen-belastung tritt im Juli und August auf, daher können die hervorgerufenen Symptome mit einer Pollenallergie verwechselt werden. Geringere Sporenbelastungen bestehen jedoch das ganze Jahr über. Schimmelpilzallergiker reagieren gewöhnlich beim Rasenmähen, nach Kontakt mit Heu, Silofutter, Rindenmulch, trockener Erde, Torf, Kompost, Blattabfällen und beim Mähdreschen.

Schimmelpilze im Haus

Wenn die im Freien vorkommenden Schimmelpilze hohe Konzentrationen außer Haus aufweisen, gelangen diese natürlich beim Lüften auch ins Haus.

Andere Schimmelpilzarten wie Penicillium und Aspergillus (Innenraumpilze) können sich im Haus vermehren, vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit ab ca. 65% relativer Luftfeuchte. Diese entsteht z.B., wenn im Winter zu kurz und/oder ineffektiv gelüftet wird (Kipp- statt Stoßlüftung). Nassräume wie Bad und Dusche sind besonders gefährdet. Auch Klimaanlagen und Luftbefeuchtungsgeräte sind häufig mit Schimmelpilzen verunreinigt. Oft verbirgt sich ein Schimmelpilzbefall hinter Holzverkleidungen, alten Bodenbelägen oder Tapeten und hinter Möbeln, die ohne ausreichenden Lüftungsabstand an Außenwänden stehen. Auch Aquarien erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Eine Sensibilisierung gegen den Schimmelpilz Penicillium hat jedoch nichts mit einer Allergie gegen das Antibiotikum Penicillin zu tun!

Länger herumliegende Nahrungsmittelreste dienen als Nahrungsquelle für Schimmelpilze (Biotonne!).

Pflanzen in der Wohnung können eine Schimmelpilzquelle sein (auf den Blättern, in der Blumenerde). An Schimmelpilzsporen aus dem Wintergarten denken!

Ein beruflicher Kontakt mit Pflanzen oder Tierprodukten z.B. in der Landwirtschaft, Gärtnerei oder Lagerhaltung kann zu einer hohen Schimmelpilzbelastung führen. Auch Haustiere können Schimmelpilze mit in die Wohnung bringen.

Schimmelpilze in oder auf Nahrungsmitteln

Nahrungsmittel sind eine reichhaltige Quelle für Schimmelpilze und deren Stoffwechselprodukte (Enzyme). Durch Einatmen können diese ebenfalls Ursache von Atemwegssymptomen sein: an Obst, Gemüse, Käse und anderen Nahrungsmitteln haften besonders nach langer Lagerzeit Schimmelpilze, bei Obst kann der Befall durch gründliches Waschen deutlich reduziert werden.

Schimmelpilze und ihre Produkte werden gezielt bei der Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt: Backwaren, Bier, Wein, anderen Spirituosen, Essig und Essigprodukten, bestimmten Käsesorten wie Camembert oder Roquefort, Soja- und Steaksoßen und Schokolade. Enzyme als Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen zerkleinern auch Kartoffeln bei der Herstellung von Kartoffelpüree oder Obst bei der Fruchtsaftherstellung. Eine Deklarationspflicht besteht nicht, sodass der Verbraucher sich nur schwer informieren kann.

Die Bedeutung von Schimmelpilzen und deren Produkte, die über den Magendarmtrakt aufgenommen werden, ist schwer zu erfassen. Der Verzehr großer Schimmelpilzmengen z.B. durch Wein oder Käse kann jedoch neben Unverträglichkeiten am Magendarmtrakt auch akute Atemwegsprobleme machen. Schimmelpilzgifte wie die Aflatoxine, die z.B. an der Leber krebsentstehend wirken, sollen hier nur am Rande erwähnt werden.

Ratschläge für Schimmelpilzallergiker

In der freien Natur

Eine völlige Vermeidung in der freien Natur vorkommender Schimmelpilze ist wie bei den Pollen nicht möglich. Wer weiß, dass er auf den „Gewitterpilz“ allergisch reagiert, sollte nicht ausgerechnet nach Gewittern im Sommer an die frische Luft gehen, da dann die Belastung mit Alternaria alternata am höchsten ist.

Bei starkem Sporenflug, was besonders bei trockenem und windigem Wetter von Mai bis Oktober der Fall ist, muss der Aufenthalt im Freien evtl. eingeschränkt werden.

Gartenarbeiten und landwirtschaftliche Arbeiten sollte ein Schimmelpilzallergiker in der Hauptbelastungszeit nicht durchführen. Kinder sollten nicht auf Rindenmulch oder verrottendem Laub spielen, Komposthäufen und Mähdrescher auf dem Feld meiden.

In der Wohnung

Die wichtigsten Maßnahmen sind die Reduktion der Luftfeuchtigkeit und ausreichende Lüftung. Die Luftfeuchtigkeit sollte unter 65% betragen. Am besten 3-4x täglich für 5-10 Minuten stoßlüften. Insbesondere Nassräume müssen optimal gelüftet werden. Die optimale Raumtemperatur beträgt ca. 20°C, unter diesem Wert kommt es an kalten Stellen leichter zu Kondenswasserbildung.

Es sollte eine gute Luftzirkulation zwischen Möbeln und Boden, Decke und Wand bestehen (10 cm Abstand von der Außenwand). Geschlossene Bettkästen sind für die Matratzenbelüftung ungünstig.

Zumindest im Schlafzimmer sollten keine Topfblumen aufgestellt werden. Eventuell müssen Grünpflanzen auf bestimmte Zimmer und in ihrer Anzahl beschränkt werden. Auch in Wintergärten kann sich eine hohe Anzahl von Schimmelpilzsporen befinden! Die Tür zum Wintergarten sollte daher geschlossen bleiben, alternativ bietet sich auch hier regelmäßiges Stoßlüften an.

Eine Luftbefeuchtung durch Klimaanlagen oder Luftbefeuchtungsgeräte sollte unterbleiben bzw. nur bei sehr trockener Luft erfolgen. Filter in Klimaanlagen müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Auch ein Aquarium erhöht die Luftfeuchtigkeit und ist daher für Schimmelpilzallergiker nicht zu empfehlen.

Besondere Hygiene ist in der Küche erforderlich. Nahrungsmittel müssen sorgfältig und trocken gelagert werden. Obst gut waschen, faulige Stellen herausschneiden. Nahrungsmittelreste entsorgen, den Bioabfall regelmäßig leeren und nicht neben der Heizung lagern.

Schlecht isolierte Häuser mit feuchten Wänden und Schimmelpilzbefall müssen vom Fachmann saniert werden. Das nicht fachgerechte Aufbringen einer Isolierschicht auf eine feuchte Wand erhöht nur den Schimmelpilzbefall dahinter! Oberflächliche Schimmelpilzbeläge können mit 70% Alkohol abgetötet und abgewaschen werden.

Diagnostik bei V.a. Schimmelpilzallergie

Schimmelpilzallergien fallen betroffenen Patienten meist nicht gleich auf. Symptome im Sommer werden oftmals Gräserpollen zugeordnet, da die Schimmelpilzsorte Alternaria alternata ungefähr zeitgleich (Juli und August) ihre Sporen fliegen lässt. Bestehen unklare Beschwerden in geschlossenen Räumen, insbesondere, wenn Sie feucht sind, oder treten typische Beschwerden während der Sommermonate auf, so sollte man an eine Schimmelpilzallergie denken und einen Allergologen zum Allergietest aufsuchen.

Die Testung mehrerer Schimmelpilze (Alternaria, Cladosporium, Aspergillus) gehört zur sog. Standardreihe und wird bei der üblichen Haut-Prick-Testung in der Regel automatisch mitgetestet. Zeigen sich entsprechende Reaktionen auf der Haut (positive Reaktion im Hauttest) und sind die Beschwerden passend zur Schimmelpilzsporenflug oder einer Schimmelpilzbelastung in Innenräumen besteht eine Indikation zur Therapie.

Therapie

Eine Schimmelpilzallergie kann medikamentös behandelt werden. Zunächst steht neben der Meidung der Allergene die Behandlung der Symptome im Vordergrund (Antihistaminika, lokal abschwellende Tropfen und Sprays).

Lassen sich die Symptome jedoch nicht ausreichend kontrollieren steht als einzige kausal wirkende Therapiemaßnahme die Hyposensibilisierung zur Verfügung. Die Behandlung kann mit Spritzen oder oral in Form von Tropfen durchgeführt werden und dauert mindestens drei Jahre.


Quellen:


Disclaimer: die Informationen wurden nach bestem medizinischem Wissen und Gewissen zusammengetragen, die Autorin ist ständig bemüht, das Informationsangebot aktuell und richtig zu halten, kann hierfür jedoch keine Gewähr übernehmen. Stand der Informationen Januar 2021