Was Sie schon immer über Mundgeruch wissen wollten – eine Zusammenstellung

Mundgeruch (med. Halitosis) ist ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen belastet – sowohl privat als auch beruflich. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 25–30 % der Bevölkerung zeitweise oder dauerhaft darunter leiden. In den meisten Fällen (u.a. nach US-amerikanischen Quellen wie Mayo Clinic, Cleveland Clinic und Quellen siehe unten) liegt die Ursache zu über 85–90 % im Mundraum selbst. Nur ein kleiner Teil (ca. 5–10 %) hat extraorale Ursachen. Daher werden wir nach HNO-Ärzte neben den Zahnärzten häufig als Erstes zur Abklärung von Mundgeruch aufgesucht.

Warum entsteht Mundgeruch?

Der eklige, faulige Geruch entsteht eigentlich immer durch Bakterien, welche Schwefelverbindungen (Schwefelwasserstoff und Methylmercaptan) produzieren. Diese Bakterien sind sogenannte Anaerobier (z.B. Porphyromonas gingivalis, Fusobakterien, Prevotella und weitere), die sich auch ohne Sauerstoff vermehren können. Daher befinden sie sich gerne in schlecht gepflegten (heißt: belüfteten) Ecken des oberen Verdauungstraktes, also der Mundhöhle.

Das sind hier vor allem:

  • Zungenbelag, vor allem weit hinten
  • Schlechte Mundhygiene → Plaque, Zahnstein
  • tiefe Zahnfleischtaschen
  • Entzündung des Zahnfleisch und der Zahntaschen (Gingivitis, Parodontitis)
  • Karies / zerfallene Zähne
  • schlecht sitzende Prothesen mit Bildung von Nischen, wo sich Essensreste und Bakterien sammeln können
  • eingeschränkte Zahnpflege während kieferorthopädischer Behandlung

Höheres Alter prädisponiert übrigens auch für Mundgeruch, weil die motorischen Fertigkeiten altersbedingt nachlassen und damit die Mundhygiene erschwert ist, ausserdem findet sich häufiger Mundtrockenheit und es müssen häufiger Medikamente eingenommen werden.

Tatsächlich findet sich so in 80% die Ursache in einem der oben genannten Befunde.

Typische Ursachen im HNO-Gebiet

In 5-10% der Fälle findet man die Ursache in unserem Fachgebiet, der HNO. Typische Mundgeruch-Auslöser können sein:

Gastrointestinale Ursachen

Tatsächlich kommen gastrointestinale Ursachen deutlich weniger vor, wie gemeinhin angenommen. Entsprechend Studien (s.u.) liegt das Problem in weniger als 5% der Fälle im Bereich von Magen und Speiseröhre bzw. inneren Organen.

  • Refluxkrankheit (GERD) → saures Aufstoßen
  • Magen-Darm-Erkrankungen (z. B. Chronische Magenschleimhautentzündung, Helicobacter pylori-Infektion)
  • Aussackungen der Speiseröhre mit Ansammlung von Nahrungsresten (sog. Divertikel)
  • Leber- oder Nierenerkrankungen (in fortgeschrittenen Stadien)

Sonstige Ursachen, die Mundgeruch verursachen

Mundtrockenheit! Speichel ist der wichtigste natürliche Schutz gegen Mundgeruch: Er spült Bakterien und Nahrungsreste weg und neutralisiert Säuren. Bei Mundtrockenheit vermehren sich die geruchsbildenden Bakterien massiv.

Eine sehr häufige Ursache für chronische Mundtrockenheit können bestimmte Medikamente sein.

  • Antidepressiva (v. a. SSRIs und trizyklische)
  • Antihistaminika (z. B. gegen Allergien)
  • Blutdrucksenker (Betablocker, Diuretika, ACE-Hemmer)
  • schwefelhaltige Antibiotika (u.a. Penicilline, Cephalosporine, Sulfonamide)
  • Anticholinergika (z. B. gegen Blasenprobleme wie Oxybutynin, Atropin-ähnliche Mittel)
  • Antipsychotika und Beruhigungsmittel
  • Schmerzmittel (manche Opioide)
  • Entwässerungstabletten (Diuretika)
  • Sonstige: Omeprazol (Säureblocker), Bisphosphonate, Fischöl-Kapseln, Selen und Vitamin E

Mundtrockenheit kann auch durch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder verminderten Speichelfluss verursacht sein. Darüber hinaus trocknen die Schleimhäute im Mund-Rachen schneller aus, wenn vermehrt durch den Mund geatmet wird, wie es bei einer chronischen behinderten Nasenatmung durch zum Beispiel vergrößerte Nasenmuscheln der Fall ist.

Selbstverständlich seien hier auch bestimmte Lifestyle-Habits genannt wie Rauchen, Alkoholkonsum, der Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln wie Knoblauch, Zwiebeln, Brokkoli…

Weitere, aber sehr viel seltenere Auslöser für Mundgeruch können sein:

  • Stoffwechserkrankungen wie Diabetes
  • Autoimmunerkrankungen wie zB das Sjögren-Syndrom
  • ein Zustand nach Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich
  • Fasten (Bildung von Ketonkörpern)
  • Fischgeruchssyndrom (Trimethylaminurie), wobei hier alle Körperausdünstungen stinken

Welche Therapieoptionen gibt es bei schlechtem Atem?

Selbstredend richtet sich die Therapie nach der auslösenden Ursache. Bevor man einen Arzt aussucht, um seinen Mundgeruch abklären zu lassen, empfehle ich zunächst folgendes Vorgehen:

  1. Perfekte Mundhygiene! 2. Perfekte Mundhygiene! 3. Perfekte Mundhygiene!

Wie oben angeführt befinden sich die Bakterien, welche die flüchtigen Schwefelsubstanzen produzieren in schlecht belüfteten Ecken! Logischerweise muss man diese belüften. Gerne einen so genannten Biofilm. Dies erklärt, dass bloßes Mundspülen mit antibakteriellen Substanzen und Gurgel-Lösungen in der Regel keinerlei Einfluss auf den Mundgeruch haben. Auch so genanntes Ölziehen in der Regel nicht viel, da es den Biofilm nicht zerstört. Dieser muss mechanisch aufgelöst werden.

  • Mindestens zwei Mal täglich Zähneputzen
  • tägliche Verwendung von Zahnseide (wer danach daran riecht versteht warum)
  • alle 6 Monate professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt (Reinigung der Zahntaschen, wo die Zahnbürste nicht hinkommt, Entfernung von Zahnstein)
  • Tägliche Verwendung eines Zungenschabers, insbesondere morgens. Hier empfehle ich ein Ayurveda-Modell (siehe rechts), da meiner Erfahrung nach Zungenbürsten und Schaber mit Gummilamellen nicht gründlich genug funktionieren.
  • Wurden die drei oben genannten Maßnahmen durchgeführt machen antiseptische Mundspülungen aber durchaus Sinn. Lösungen mit Zink neutralisieren Sulfide. Daneben gibt es bakterizide Wirkstoffe (Bakterien-tötend) wie Chlorhexidin und Triclosan. Bei letzteren ist jedoch Vorsicht geboten, denn wenn diese zu intensiv angewandt werden zerstören sie auch die „gute“ Bakterienflora im Mund.
Zungenschaber

Ausserdem ist eine gute Befeuchtung der Schleimhäute essentiell. Wenn der Mund- und Rachenschleimfilm eindickt kann er durch die Flimmerhärchen nicht mehr so gut abtransportiert werden. In der Folge reichern sich Bakterien darin an – es riecht! Zum Anregen des Speichelflusses empfiehlt es sich

  • Viel zu trinken (mind. 2 Liter Wasser/Tag)
  • grünen Tee trinken (neutralisierende Polyphenole, antibakterielle Wirkung)
  • Zuckerfreien Kaugummi zu kauen (am besten mit Xylit)
  • Bei starker Trockenheit Speichelersatzsprays / -gels anzuwenden.

Positiv scheint sich auch die Einnahme von Probiotika auszuwirken, insbesondere, wenn sie die Stämme Lactobacillus salivarius (WB21) oder Streptococcus salivarius (WB18)  enthalten. Der definitive Wirksamkeitsnachweis steht jedoch noch aus (Stand März 2026).

Und selbstverständlich können bestimmte Lebensweisen zu schlechtem Atem führen. Daher

  • Rauchen / Tabak komplett meiden
  • Stark riechende Lebensmittel (Knoblauch, Zwiebeln, Kaffee) reduzieren

Werden diese Maßnahmen konsequent für mindestens 3-4 Wochen (und dann natürlich darüber hinaus) durchgeführt kommt es zumeist zu einer deutliche Besserung des Atemgeruches. Sollte eine Besserung der Situation dann ausbleiben oder es bestehen zusätzlich Begleitsymptomen wie Zahnfleischbluten, Schmerzen, weiße Beläge, Schluckbeschwerden, Reflux oder Nasenverstopfung sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Was kann der HNO-Arzt tun?

Sind die häufigsten Ursachen beim Zahnarzt ausgeschlossen, ist es sinnvoll, als Nächstes den HNO-Arzt zu konsultieren.

Dieser untersucht typische Stellen im Mund Rachenbereich, die für Mundgeruch prädisponieren. wie oben erwähnt, sind das unerkannte Nebenhöhlenentzündung, pathologischer Schleimfluss aus dem Nasenrachen (postnasal drip), chronische Mandelentzündung oder ob Mandelsteine vorliegen.

Für Letztere Fragestellung ist es für HNO-Arzt besonders hilfreich, wenn Sie diesem das Panorama-Röntgenbild des Zahnarztes, sollte so eines vorhanden sein, mitbringen. Manchmal sitzen die Tonsillolithen so tief in der Mandel, dass man die mitunter verkalkten „Steine“ nur hier sehen kann.

Darüber hinaus prüft er ob es Hinweise für eine Xerostomie gibt, zB wenn zu wenig Speichelfluss vorhanden ist. Gegebenenfalls wird ein Ultraschall der großen Kopfspeicheldrüsen (Ohrspeicheldrüse und Unterkieferspeicheldrüsen) vornehmen.

Für spezielle Fragestellung gibt es noch die Möglichkeit, Abstriche zu nehmen beziehungsweise bei Verdacht auf Vorliegen einer Autoimmunerkrankung eine Laboruntersuchung zu veranlassen.

Leider ist es jedoch so, dass sich auch trotz sorgfältig Untersuchung nicht immer eine Ursache für den schlechten Atem finden lässt. Sofern noch nicht erfolgt berate ich dann bezüglich der oben genannten Maßnahmen, die in Eigenregie durchgeführt werden können, weil die Durchführung derselben meist zu einer erheblichen Besserung der Situation führt.

Zuletzt möchte ich in diesem Zusammenhang noch auf den Umstand hinweisen, dass es eine sogenannte Pseudohalitosis (nicht objektivierender Mundgeruch) bzw. Halitophobie gibt. Betroffene haben objektiv keinen Mundgeruch, sind aber trotz Abklärung überzeugt trotzdem aus dem Mund zu riechen. Man rechnet diese Störung zu den olfaktorischen Referenzstörungen, welche häufig mit weiteren psychischen Auffälligkeiten verbunden sind.

Und noch etwas: Betroffene sind meist dankbar, wenn sie proaktiv auf wiederholt wahrzunehmenden Mundgeruch angesprochen werden. Schließlich kann, wie oben erwähnt, häufig eine Parodontitis (PA) dahinter stecken und diese muss behandelt werden. Denn langfristig kann es zu Zahnverlust und sogar Herzproblemen hierdurch kommen.

Quellen

  • Khounganian RM et al: Causes and Management of halithosis: a narrative Review. Cureus 2023 Aug 19;15(8):e43742.
  • Lau P et al: ‚Say Ahhh‘: What do dentists, general medical practitioners and community pharmacists do about halitosis? Int Dent J. 2019 Aug;69(4):311-320
  • Kumbargere NS et al: Interventions for managing halitosis. Cochrane Database Syst Rev. 2019 Dec 11;12(12):CD012213
  • Iranitalab M, Ouanounou A. Drug-Related Halitosis: A Narrative Review. Int Dent J. 2026 Apr;76(2):109332
  • Shang et al: Clinical Practice Guidelines on the Diagnosis and Treatment of Halitosis. Int Dent J. 2026 Apr;76(2):109436
  • Yoo H.J et al. Hemmende Wirkung von Streptococcus salivarius K12 und M18 auf Mundgeruch in vitro. Clin Exp Dent Res. 2020;6:207–214